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Mein Freund, der Stern

Mach‘ mal deine Augen zu! Siehst du mich? Nein? Ich bin Black Mac, der schwarze Schwan. Ich war einer der Gäste beim Abendessen bei Schnippi, dem Schnabeltier und Henry Hetschock, dem Ameisenigel.

Schwarze Schwäne können gut Abendgeschichten erzählen. Willst du eine hören?

In einer ganz schwarzen Nacht, ohne Mondschein, schwamm ich ruhig auf einem großen See. Ich konnte mich selbst nicht sehen, so dunkel war es. Meinen langen Hals hatte ich auf das Wasser gelegt.

Aber was war das? Vor mir tauchte ein heller Fleck auf dem See auf. Nanu, wo kam der her? Ich reckte meinen Hals und sah zum Himmel hinauf. Ein heller Stern leuchtete dort. Er spiegelte sich im See.

„Warum tust du das, lieber Stern?“ fragte ich. „Ich bin die Nachtleuchte für die Tiere im Wasser und für dich leuchte ich auch.“ Dabei zwinkerte er mir mit seinen herrlichen Sternenaugen zu.

„Oh danke, lieber Stern“, trompetete ich laut durch die stille Nacht. „Du bist mein Freund.“

„Schöner Freund“, zischelte es hinter mir. Es war Glitschi, die Seeschlange. „Ein Freund, der so weit weg ist, was nützt er dir“, stichelte sie weiter.

„Das macht doch nichts. Ich hab‘ ihn gern, weil er uns sein Licht schenkt.“

Kaum hatte ich das über den See trompetet, schimpfte jemand laut vom Ufer herüber: “Ruhe, es ist Schlafenszeit. Wer macht da solchen Krach?“

Glitschi verschwand schnurstracks im Wasser. Nur ich, der Störenfried, schwamm noch auf dem See. Gleich würden sie kommen und mir die Federn zausen.

Ich wollte schnell zum Ufer schwimmen. Aber im Sternenlicht sahen mich doch alle. Wie sollte ich unbemerkt in mein Nest gelangen?

Da wurde es plötzlich ganz dunkel, so dunkel, dass ich mich selbst nicht mehr sehen konnte. Ich schaute zum Himmel hinauf. Mein Freund, der Stern, hatte sich hinter dicken Wolken versteckt. Ich war gerettet.

Ruhig schwamm ich zum Ufer und legte mich in mein Nest. In dieser Nacht träumte ich von einem Besuch bei meinem Lieblingsstern. Von den vielen Sternen am Himmel möchte bestimmt auch einer dein Freund sein.

Barbara Pfundt mit Enkelin Paula, Leipzig